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  Die Geburtsstunde des Speyerer Stadtrats
Diese beiden Privilegien von 1111 standen am Anfang der späteren Reichsfreiheit der
Stadt. Ihre soziale Bedeutung - vor allem des ersten Privilegs - ist für die damalige Zeit
einmalig. Trotz dieser Privilegien blieb der Bischof nach wie vor Herr der Stadt. Aber
schon 1198 gab Herzog Philipp von Schwaben - noch im gleichen Jahr wurde er deut-
scher König - als Sachwalter seines Neffen, des späteren Kaisers Friedrich II., den
Bürgern von Speyer das Recht, einen Rat von 12 Männern aus ihren eigenen Reihen
zu wählen. Dieser allein musste der Bürgerschaft Rede und Antwort stehen und "das
Regiment der Stadt, vermittelst geschworenen Eyds, nach ihrem besten Verstand führen
und verwalten".
Dieses Vorrecht genossen bis dahin nur wenige deutsche Städte.

Auch die bischöflichen Dienstmannen konnten ihre Ämter auf die Dauer nicht halten.
Nach und nach übernahmen Bürger das Amt des Zöllers, des Schultheißen, des Münz-
meisters und schließlich auch das des Kämmerers. 1230 musste auch der bischöf-
liche Vogt, der im Namen des Bischofs Recht sprach, sein Amt abtreten. Seit 1208 führte
der Rat ein eigenes Siegel. Auch nach außen hin zeigte sich immer mehr die Entwicklung
zur Selbständigkeit. So schloss der Rat mit anderen Städten Zollverträge, und 1226
vereinigte er sich mit den Städten Bingen, Mainz, Worms, Frankfurt, Gelnhausen und
Friedberg zum 1. Rheinischen Städtebund.

Mit dem Einverständnis des Bischofs erließ der Rat 1230 das erste Speyrer Stadtrecht,
das den Frieden innerhalb der Stadt sichern sollte. Von nun an sprachen der Rat und die
beiden Bürgermeister - von ihnen ist hier zum ersten Male die Rede - Recht.

Das Ende der bischöflichen Stadtherrschaft kam nur wenige Jahre später. Die Reiberei-
en zwischen Stadtherr und Bürgerschaft nahmen kein Ende. Schließlich kam es sogar
soweit, daß der Bischof 1286, auf Anweisung Rudolfs von Habsburg, Stadt und Bistum
Speyer verlassen mußte. Das Verhältnis zwischen Rudolf von Habsburg und Bischof
Friedrich, einem Herrn von Bolanden, war sowieso nicht zum besten.

Mit ein Grund zur Verbannung des Bischofs soll folgender Vorfall gewesen sein: Rudolfs
jugendliche Gemahlin - sie war erst 15 Jahre alt - kam einst nach Speyer. "Da sie Bischof
Friedrich, dem König zu Ehren, gar herzlich und mit viel Ehrerbietung empfing, hub sie
persönlich aus dem Wagen oder von ihrem Pferd und küsset ihren Mund. Solches aber
nahm sie ihm für übel und in Ungnaden auf, klagte es ihrem Herren mit etwas Ungeduld,
davon er hart und hoch über ihn erzürnt und bewegt ward".


Die Folge davon war, daß der Bischof außer Landes gehen musste. Wie man sieht, haben
kleine Dinge oft große Wirkungen. Während der Verbannung des Bischofs blieb die Bürger-
schaft nicht untätig. Erst 1292 - nach Rudolfs Tod - durfte Friedrich zurückkehren. Im folgen-
den Jahr schloss die Bürgerschaft mit den Städten Worms und Mainz ein "ewiges"
Bündnis zur Behauptung ihrer Rechte gegenüber ihren Bischöfen. Neue Streitereien waren
die Folge. Sie wurden erst am Vorabend des Allerheiligenfestes 1294 beigelegt. Die Forder-
ungen der Bürgerschaft wurden in allen wesentlichen Punkten erfüllt. Dem Bischof
blieben nur einige wenige Rechte.

Damit hatte die Herrschaft des Bischofs über die Stadt ein Ende gefunden. Speyer war
eine freie Stadt, ein selbständiges Staatswesen geworden.
Text: Speyer - Kleine Stadtgeschichte, Fritz Klotzcopyright
 
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